Kampf gegen mich

Hinweis: Ich wollte das irgendwie mal runterschreiben, um es ein wenig selber zu verarbeiten und ueber mich nachzudenken. Es sind ja inzwischen doch 4 Jahre.

Ende 2012 erreichte ich mein absolutes Hoechstgewicht von 150kg. Ich habe mich nie selber gewogen, auch wollte ich das eigentlich garnicht. Ich war gluecklich mit mir. Zumindest glaubte ich das.
05.08.2012 Ich hatte alle Diaeten durch. Meine Mutter probierte alles an mir aus (natuerlich mit meinem Einverstaendnis). Aber es waren alles Diaeten und keine Umstellung. Auch wollte ich es zu dem Zeitpunkt noch nicht und wehrte mich. Mir ging es gut.

Klick

Im Maerz 2013 passierte einiges. Ich besuchte mit Arbeitskollegen die Chemnitzer Linux Tage und teilte mir mit einem dieser ein Zimmer. Er meinte, dass er die Naechte kaum schlafen konnte, weil ich schnarchte und ab und an im Schlaf Atemaussetzer hatte.
Ich hatte Angst. Riesige Angst und wusste, dass sich etwas aendern musste. Ich wusste, dass es an meinem Uebergewicht lag, ich wusste nur nicht, was ich machen konnte.

Ich hatte Glueck. Ein paar Arbeitskollegen machten Sport und konnten mich mitziehen. Vorallem Radfahren hatte es mir angetan. Jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit und zurueck ist nicht viel, aber es traegt ein bisschen zu Bewegung bei, die ich unbedingt brauchte.
Sie gingen spaeter auch mit mir Mountainbiken (ich bin dafuer extra nach Regensburg gefahren und habe mir ein gebrauchtes gekauft), und im Winter, als es dann zu kalt zum Fahrradfahren wurde, dann auch laufen. Ich war so erstaunt, dass ich ploetzlich 3-4km Joggen konnte. Ich war endlich gluecklich. Ich konnte mich nach und nach wieder bewegen ohne gleich ausser Puste zu sein.

Sport war 2013 ein wesentlicher Faktor und ohne ihn hätte meine Gewichtsabnahme nur mit signifikanten Einschränkungen beim Essen funktioniert.

Der zweite Aspekt war die Ernaehrung. Es war ein entscheidender Punkt zu verstehen, dass ich zwar falsch esse, aber das groessere Problem die Menge war. So landete bei einer Bestellung nicht nur eine Pizza auf meinem Tisch, sondern auch noch eine Portion Nudeln, weil es mir Peinlich war fuer mich alleine zu bestellen (ich rief sogar in die leere Wohnung: "Schahatz, essen ist da"). Bevor ich mich um das richtige Essen kümmerte, wollte ich wieder lernen, was normale Portionen sind. Um dies zu lernen ernährte ich mich von Fertigessen.

Essensbestellung auf Amazon

Ja genau, diese ekligen Dinger, die man mit Wasser aufkocht und von denen dir jeder Ernährungsberater abraten würde. Dies hatte aber den Nebeneffekt, dass ich auch mit den Kalorien rechnen konnte. Ich habe zu diesem Zeitpunkt nie bewusst Kalorien gezählt, dennoch lernte ich so wieviel eine Portion sein sollte. Ich ass ~600kcal pro Mahlzeit. Das erscheint relativ viel, doch mein Grundumsatz lag schon bei ~2500kcal, wobei ich alleine durch die Mahlzeiten ein Defizit hatte. Wenn man dann noch den "Sport" in Betracht zieht, konnte ich gefuehlt alles essen.

So ging mein Gewicht stetig bergab. Ich verlor pro Monat um die 10kg. Natuerlich stagnierte es, aber es war nicht schlimm. Ich wusste ja: "Meine Technik funktioniert". Ich hatte endlich den richtigen Weg fuer mich gefunden.
Ueber 1 Jahr habe ich mein Gewicht und meine Umfaenge gesammelt. Ich war stolz darauf, was ich gerade erreichte.

Verlauf der Gewichtsabnahme

Es waren wunderschöne Momente die 120, 110 und 100kg zu "knacken". Mir war bewusst, wenn ich nur Wasser verloren habe und konnte sagen, was mit meinem Gewicht passieren würde. Ich konnte sogar vorraussagen, wie sich die Gewichtskurve entwickeln wuerde über mehrere Tage. Ich sagte das Datum für die 120 und 110kg vorraus. Es war faszinierend zu sehen wie ich ploetzlich die 10km nicht mehr in 1:10h, sondern in 52min laufen konnte. Es war faszinierend, dass ich 10km laufen konnte.

Muenchen

Und dann kam Muenchen. Viele werden schreien: "Jaja...wie schnell der abgenommen hat. Da muss ja der Jojo Effekt kommen". Aus beruflichen Gruenden bin ich umgezogen und hatte ploetzlich keine Muster mehr. Meine Laufstrecke war nicht mehr da und eine neue zu etablieren schaffte ich nicht, vorallem weil ich nicht an der Strasse entlanglaufen wollte. Zur Arbeit waren es ploetzlich 24km mit dem Rad und so stagnierte der Ausdauersport.

Ich ging 3mal die Woche bouldern und wurde besser. Aber auch das stoppte meine Gewichtszunahme nicht. Ich wurde wieder schwerer, weil ich in alte Muster verfiel und ich wollte es nicht wahrhaben. Ich unternahm einige Versuche, indem ich wieder mit dem Rad zur Arbeit fuhr. Ich nahm auch immer 5-7kg ab (Juli 2015), aber es war nie von Dauer. Meine Faulheit, da ich keinerlei Routine hatte, siegte und ich wog 2 Jahre spaeter wieder 120kg, Tendenz steigend.

Es war bei weitem nicht so schlimm wie die 150kg 3 Jahre zuvor. Trotzdem hatte es einen faden Beigeschmack. Alle hatten mich davor gewarnt, dass ich meine Ernaehrung drastischer umstellen musste, wenn ich den Sport reduziere und ich hatte in dem Punkt versagt.

Trotzdem machte es mir nichts aus, weil es wieder schleichend kam. Ich kletterte trotzdem 7er und projektierte an 8ern. Es war nicht so schlimm fuer mich.

Ich nahm mir dennoch das mit der Ernaehrung zu Herzen und merkte, dass ich "snackte". Vorallem das beilaeufige Essen, "Hier mal ein Croissant", "Da ein Pizzastueck", war ein riesen Problem. Ich beschloss meine Ernaehrung auf Vegan umzustellen, damit ich weniger Moeglichkeiten hatte. Dies zuegelte es ein wenig, aber trotzdem waren es noch viel zu viel ungesunde Sachen und es kam zu Spaet.

Neuer Beginn

August letzten Jahres zog ich mit meiner Freundin in Dresden zusammen. Ich hatte eine neue Waage und bekam einen Schock die 125kg zu sehen. Mir war klar, dass etwas passieren musste. Nachdem ich es nicht auf die Reihe brachte draussen laufen zu gehen (Meine Geschwindigkeit war zu schlecht geworden und ich musste praktisch von Null beginnen, was sehr frustrierend ist), meldete ich mich in einem Fitnessstudio an. Hier trainierte ich, vorallem Laufband und Ergometer, fuer die naechsten Monate, weil es neu war und ich mich nicht mit alten Werten vergleichen konnte. Trotzdem war das Fitnessstudio eine grosse Überwindung hinzugehen und ich schaffte es nur früh morgends, wenn noch nicht so viele Leute da waren.

Waehrend ich daheim war fiel das Gewicht. Waehrend ich unterwegs war, kam wieder was drauf. Ich schaffte es nicht mich in Hotels zu zuegeln und gesunde Routinen zu etablieren. Zwar ging ich dort ein paar Mal laufen und schwimmen, aber das war nicht wirklich Erwaehnenswert und hielt nie lange an.

Im Fruehling diesen Jahres reparierte ich endlich mein Rennrad und begann wieder mit Radfahren. Ich war bei ~130kg angekommen. Zudem war es mir wichtig wieder mehr auf meine Ernaehrung zu achten und nutzte Kalorienzaehlen, um ein Gefuehl fuer die richtigen Mengen zu bekommen. Ich hatte es schon einmal geschafft, warum sollte es jetzt nicht auch klappen. Wenn ich eine Woche unterwegs bin, ist mein Rennrad im Kofferraum meines Wagens. Ich versuche auch in anderen Staedten so viel wie moeglich mit dem Rad zurueckzulegen.

Inzwischen bin ich mindestens 2-3mal die Woche draussen und mache wieder aktiv Sport. Mein Schnitt auf dem Rennrad wird immer besser. Laufen bin ich noch nicht auf meiner alten Form, aber es wird. Mein Essen hat sich dank "Portion Control" und rudimentäres Kalorienzählen wieder in geregelte Bahnen sortiert und mir geht es gut damit.
Ich hab in der "kurzen" Zeit 14kg verloren. Es sinkt zwar langsam, aber es sinkt und das ist das wichtigste.
Ich fuehle mich auch nicht, als ob mir etwas fehlen wuerde, weil ich trotzdem Abends mit meiner Freundin auf der Couch Chips snacke und ab und an ein Eis essen. Ich esse was ich will, halt nur weniger und habe ein Auge darauf, was ich gegessen habe.

Ich hoffe, dass ich es endlich geschafft habe eine gesunde Variante mit Sport und kontrolliertem Essen gefunden habe. Ich hoffe, dass ich irgendwann nichtmehr auf die Mengen aufpassen muss, die ich esse und mein Koerper sich selber reguliert.

Fazit

Es laeuft nicht immer alles rosig und in alte Muster verfallen ist das schlimmste was passieren kann. Eigentlich will ich mit dem ganzen bloss sagen, dass ich allen um mich rum soviel zu verdanken habe. Ob noqqe, der mir (wahrscheinlich unbewusst) den finalen Push gegeben hat, oder auch meine damaligen Arbeitskollegen, die mich in allem mitgezogen haben. Ohne euch waere ich nicht an dem Punkt heute.

Wenn jemand eine Runde mit dem RR oder MTB drehen will. Sagt Bescheid. Dresden geht immer, alles andere kriegt man sicher auch irgendwie hin.

so long.